Video Interview mit Florian Günther von Investorenausbildung.deIm heutigen Artikel braucht ihr nicht viel lesen. Heute dürft ihr euch ein Video anschauen – mein erstes Youtube Video-Interview. Mein Interview-Partner ist Buchautor Florian Günther und er betreibt den Blog Investorenausbildung.de.

Vielen von euch wird Florian schon über den Online-Weg gelaufen sein. Zum einen hat er mich vor einigen Monaten interviewt und zum anderen schreibt er neben seinen interessanten Blogartikeln auch wöchentlich umfangreiche Aktienanalysen in seinem Börsenbrief.


Im Rahmen unseres ersten Interviews, ist die Idee entstanden, dass ich Florian auch gern ein paar Fragen zum Thema Aktienauswahl und Dividendenstrategie stellen möchte. So kam es, dass wir uns Mitte März diesen Jahres, im Ski-Stadion von Garmisch-Partenkirchen zu einem Interview verabredet haben. Da ich vorher noch nie Video-Interview erstellt habe, brauchte ich auch seine technische Unterstützung. Mit dem Endergebnis bin ich daher sehr zufrieden.

Unter dem Video hier im Artikel findest du noch das Interviews in Textform. Wenn euch das Interview gefallen hat, würde ich mich über euer Feedback freuen. Davon mache ich das abhängig, ob ich dieses Format in Zukunft fortführen werden.

Nun wünsche ich euch viel Spaß bei unserem kurzweiligen Interview.

Alex: Herzlich Willkommen Florian, vielleicht magst du dich vorstellen und sagen welche Projekte du betreibst.
Florian: Mein Name ist Florian Günther, ich bin 29 Jahre alt und ich bedanke mich nochmals für das 1. Interview. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich freue mich, dass ihr euch auch für mich interessiert. Ich habe die Plattform Investorenausbildung.de gegründet. Diese Plattform hat sich der Aufklärung in finanziellen Dingen verschrieben. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in diesem Bereich noch großes Potential in Deutschland haben. Kurz zu meinem Hintergrund: Ich bin ehem. Banker und habe Bankprodukte vertrieben. Hier bestand zwar großer Bedarf, aber auch eine große Unwissenheit. Kunden sind hier in der Regel dem Berater ausgeliefert.

Alex: Du hast einen wichtigen Punkt angesprochen: Die Unabhängigkeit die man anstrebt. In der Bankbranche hat in den letzten Jahren ein Wandel stattgefunden. Es geht mehr um Zahlen und Abschlüsse. Dabei besteht die Unabhängigkeit nicht nur aus dem finanziellen Aspekt. An welchem Punkt stehst du gerade? Bist du schon finanziell unabhängig?
Florian: Das werde ich oft gefragt, da ich ja noch relativ jung bin. Die finanzielle Unabhängigkeit ist auch eine reine Definitionssache und kann nicht pauschal beantwortet werden. Es gibt verschiedene Ertragsquellen von denen man leben kann. Zum Beispiel durch Aktien, Zinsen, Dividenden, Mieten usw. Nun gibt es aber Menschen, die können noch nicht von 10 Millionen Euro leben, da sie schlecht Erträge generieren können und gleichzeitig hohe Ausgaben haben. Durch eine ziemlich minimalistische Einstellung kann ich mit meiner Frau ganz gut leben. Durch gute Erfolge meiner Anlagen kann ich aber schon finanziell frei sein. Dennoch bin ich noch in einem angestellten Verhältnis, aber hier auch in den letzten Atemzügen.

Alex: Es ist wirklich nicht so einfach, den Switch vom aktiven Hamsterrad ins passive Hamsterrad hinzubekommen. Da gehören viele Sachen dazu. Das Budget muss passen, man muss Mut aufbringen, aber man hat auch mit bürokratischen Dingen wie Krankenkasse usw. zu tun. Daher arbeite ruhig noch ein paar Monate länger, bevor du den Schritt zu früh gehst. Es ist leider schwierig, da die Leute da draußen ja in der Regel nur darauf warten, dass du es nicht schaffst. Mich würde mal interessieren, aus wie vielen Ertragsquellen du deine Erträge erzielst.
Florian: Zinsen = Null. Da habe ich gerade erst ein Schreiben meiner Bank bekommen, dass ich nun Minuszinsen zahlen muss. Dazu bekomme ich noch Dividenden, Mieten und auch Firmenbeteiligungen. Daneben habe ich noch ein Aktienportfolio, welches ich auch für andere betreue. Ich verfüge somit über mehrere Ertragsquellen, die natürlich nicht alle gleichmäßig ihre Erträge abwerfen.

satte Prämien mit einem Depotwechsel kassieren
Alex: Kannst du sagen wie die Verteilung deiner Erträge ungefähr aussieht?
Florian: Ich schätze mal dass ich 50-70% durch Aktieninvestments (Dividenden & Kurssteigerungen) generiere. 10-20% mit Immobilien. Bei meinen Firmenbeteiligungen entnehme ich derzeit nichts.

Alex: Bei deinen Immobilien ist sicherlich viel Kapital gebunden oder?
Florian: Richtig, dass ist das Problem. Ein Teil ist auch finanziert, aber ich generiere dennoch Überschüsse. Aufgrund einer 10-jährigen Zinsbindung, muss ich noch etwas warten bis die Frist abläuft. Ich hatte Toplagen in Nürnberg gekauft und hab hier auch keine Eile was daran zu ändern.

Alex: Trotz Blasenbildung ist es für dich kein Grund dein Investment zu reduzieren?
Florian: Da ich mit meinen Aktieninvestments deutlich mehr Ertrag generiere, bin ich schon daran interessiert mein Kapital nach und nach umzuschichten.

Alex: So ist es bei mir auch. Ich versuche durch aktives Rebalancing meine Rendite zu verbessern. Gerade bei Aktien kann man viel flexibler zwischen einzelnen Branchen sein Kapital umschichten. Egal was ich präferiere, ich kann gezielt Immobilien-Aktien oder auch Werte aus der Konsum- oder Lebensmittel-Welt umleiten. Zum Thema Dividenden-Aktien würde ich gern wissen, ob du stets und ständig oder nur zu bestimmten Zeitpunkten kaufst?
Florian: Ich folge hier meinem Vorbild Warren Buffett. Er kauft wunderbare Unternehmen zu einem wunderbaren Preis. Ich habe auch Aktien, bin jedoch enorm froh, wenn sie, ist jetzt ein ziemlicher Kontrast zu dir, nichts ausschütten. Ich bin froh, wenn ich Unternehmen finde, die eine hohe Eigenkapitalrendite von sagen wir 30% erzielen, diese Rendite aber nicht ausschütten. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich über kurz oder lang als Anteilseigner davon profitiere. Dabei schaue ich auf einen Zeithorizont von mindestens 10 Jahren. Ich erwarte, dass ein Unternehmen mit einer solchen Rentabilität einfach mehr rausholen kann. Meine Lieblingsaktie ist die Geberit Aktie aus der Schweiz, wenn auch vom Wechselkurs im Moment ein Einstieg überdacht werden muss.

Handbuch der Aktienanalyse - von Florian GuentherAlex: Meine Lieblingsaktie ist Disney, die haben auch eine sehr gute Eigenkapitalrendite. Ich liebe Unternehmen die eine hohe Qualität liefern und man förmlich spürt wie an jeder Ecke das Geld klingelt.
Florian: Du sprichst da einen enorm wichtigen Punkt an. Du musst deine Geldanlage haptisch betrachten. Du musst sie anfassbar machen und sie zu einem Teil deines Lebens machen. Gerade an deinem Alltag kannst du dich mit Unternehmen identifizieren. Wenn du damit anfängst, dann kannst du nichts anderes als mit Börse Erfolg haben.

Alex: Man kann schon weiter optimieren, indem man bei bestimmten Produkten auf Qualität achtet und dann auch den Preis dafür zahlt. Allerdings ist mir bei vielen Dingen die Qualität nicht wichtig. Zum Beispiel bei einer Sonnenbrille brauche ich kein 180 Euro Modell. Es klappt daher nicht, wenn ich mich entscheiden muss zwischen einem Disney Park und einem Ketten-Karussell. Die Qualität ist entscheidend. Ähnlich ist es beim Tanken. Da würde ich keine Tankstelle bevorzugen, da ich als Laie denke, dass Benzin gleich Benzin ist. Mir ist wichtig, dass alle anderen da draußen, meine Firmen unterstützen.
Florian: Unterstützt euch selber. Kauft die Aktien der Unternehmen die ihr selber nutzt. Bei jedem Kauf landet ein Teil wieder in eurer Tasche.

Alex: Mit meinem Dividenden-Alarm warte ich bis der Markt eine Kaufphase erreicht hat. Dann prüfe ich natürlich auch Kennzahlen um mich für Unternehmen zu entscheiden, die dann auf einem historisch niedrigen Niveau befinden. Wie gehst du hier vor? Was sind deine Hauptkriterien für die Aktienauswahl?
Florian: Ich mache jede Woche eine umfangreiche quantitative und qualitative Unternehmensanalyse. Für mich ist hier extrem wichtig: Ich lege Wert auf Familienunternehmen, aber ich mag auch keine Ausgabe von neuen Aktien. Wie zum Beispiel bei Frosta. Deren Wachstum basiert auf der Ausgabe von neuen Aktien. So habe ich mehrere Punkte die zum Ausschluss führen. Eine Dividende ist mir zum Beispiel nicht so wichtig. Ein gutes Beispiel ist zum Beispiel Subsea 7 (ISIN: LU0075646355) gewesen. Hierbei handelt es sich um ein norwegisches Familien-Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche. Im Zuge der Öl-Krise musste die Dividende gestrichen werden, aber gleichzeitig wurde ein höheres Aktienrückkaufprogramm gestartet. Zukünftige Gewinne müssen dadurch mit weniger Anteilseignern geteilt werden. Die Aktie ist zu diesem Punkt um 15% an einem Tag gefallen, weil Dividendeninvestoren verkaufen mussten. Hier habe ich mit einem ordentlichen Geldbetrag zugeschlagen, da ich vollkommen von der zukünftigen Entwicklung überzeugt war. In solchen außergewöhnlichen Situationen kaufe ich auch mal konzentriert statt diversifiziert zu. Für Leute die am Anfang stehen ist dies vielleicht nicht interessant, da hier eine breite Streuung sinnvoller ist.

Alex: Du erstellst ja sehr umfangreich Aktienanalysen, welche wöchentlich an deine Leser verschickt werden. Wie lange brauchst du dafür?
Florian: Das macht schon eine Menge Arbeit, daher brauche ich dafür auch eine gute Woche. Dazu schreibe ich aber noch bis zu vier kleine Analysen.

Alex: Damit nimmst du ja deinen Lesern viel Arbeit ab. Ich selbst hätte gar nicht die Lust und die Zeit dazu. Bei deinen Analysen gefällt mir gut, dass du viel mit rot und grün markierst. So erkennt man direkt welche Kennzahl eine gute oder eher eine schlechte Entwicklung hat. Auf einen Blick erkennt man positive und negative Effekte.
Florian: Die Tabelle ist auch mein Kernstück. Hier gehe ich auch Stabilitätskennzahlen, Inhaberkennzahlen und auf Preiskennzahlen ein. Jeder Investor hat hier ganze eigene Favoriten und kann sich auf seine Lieblingskennzahlen konzentrieren.

Alex: Besteht denn die Möglichkeit, dass du unseren Lesern mal eine Analyse kostenfrei zur Verfügung stellen?
Florian: Gern kann ich euch die Analyse der Aktie von Novo-Nordisk in der Video-Infobox zur Verfügung stellen.

Alex: Du bietest deinen Börsenbrief zum Testen für einen Euro an. Wie funktioniert das für die Kunden?
Florian: Es gibt einen Mitgliederbereich in dem alle Analysen im Archiv zu finden sind. Für einen Euro können die Leser alle letzten Analysen lesen. Und wenn ich dir mit meinen Analysen helfen kann, dann freue ich mich, wenn du in Zukunft weiter dabeibleibst.

Alex: Abschließend würde mich noch interessieren, wie deine Zukunft aussieht? Willst du als Selbstständiger noch mehr arbeiten?
Florian: Tatsächlich ist es so, dass ich das tue was mir Spaß macht. Ich stehe morgens auf und lese Zeitung. Dann analysiere ich meine Unternehmen, ich gehe laufen und auch die Familienplanung spielt eine Rolle bei uns. Wir reisen auch viel und gern wollen auch in Zukunft noch viel sehen. Hier kann ich auch meine Passion ausleben, wenn ich meiner Frau weltweit in den Supermärkten die Produkte meiner Unternehmen finde. Mir ist wichtig, dass ihr eure finanzielle Freiheit selbst in die Hand nehmt.