Die Faulpelz FormelDer heutige Artikel ist ein Gastbeitrag von meiner Kollegin Petra Wolff. Sie bloggt unter der Überschrift Sparen, anlegen, frei sein und hat sich bereits als Buchautorin einen Namen gemacht.

Ihr aktuelles Werk heißt Das Praxisbuch zur Levermann-Strategie und darin stellt sie systematisch ihr Wissen und ihre gesammelten Erfahrungen der Levermann Strategie dar.

Petra ist bekannt für ihre Aktien-Strategie-Experimente. Neben der Levermann Strategie hat sie auch die Faulpelz Formel für sich entdeckt. Was sich dahinter verbirgt, dass erklärt sie uns im heutigen Artikel.

Börsen-Zauberformel von Joel GreenblattHallo, liebe Leser,
Die Grundidee zu dieser Aktienstrategie stammt von Joel Greenblatt und nennt sich im Original Magic Formula, in der deutschen Buchübersetzung Börsenzauberformel. Das Ganze beruht auf nur zwei Renditekennzahlen und soll langfristig gesehen eine Outperformance bringen. Joel Greenblatt behauptet, dass er das sogar nachgewiesen hätte.

Nun bin ich immer skeptisch gegenüber solchen Aussagen, allerdings fand ich die Idee schon faszinierend. So habe ich mich also damit beschäftigt, das Ganze noch weiter vereinfacht und vor etwas über einem Jahr unter dem Namen Faulpelz-Formel ein Experiment dazu gestartet.

Was genau berechnet die „Zauberformel“, und wie ist sie anzuwenden?

Joel Greenblatt berechnet zu einer großen Liste von Aktien (mehrere tausend US-amerikanische Werte) zwei Renditekennzahlen, und zwar Kapitalrendite und Gewinnrendite. Für die Berechnung der Kapitalrendite setzt er das EBIT (operatives Ergebnis) zum materiellen Kapitaleinsatz (Nettoumlaufvermögen plus Nettoanlagevermögen) ins Verhältnis.

In Kurzform:
Kapitelrendite = operatives Ergebnis : (Nettoumlaufvermögen + Nettoanlagevermögen)

Angegeben wird die Kapitalrendite in Prozent. Damit hat man eine Kennzahl für die Profitabilität. Je höher, desto besser.

Zur Berechnung der Gewinnrendite, auch in Prozent angegeben, wird das operative Ergebnis zum Unternehmenswert ins Verhältnis gesetzt. Der Unternehmenswert ist die Summe aus Marktkapitalisierung, also des Kurses aller Aktien zusammen, und dem Fremdkapital, also den Schulden. Nochmal in Kurzform:

Gewinnrendite = operatives Ergebnis : (Marktkapitalisierung + Fremdkapital)

Je höher diese Prozentzahl ist, umso günstiger sind die Aktien relativ zum Ertrag. Über diese beiden Kennzahlen – Kapitalrendite und Gewinnrendite – wird nun ein Ranking gebildet. Diese beiden Rankings werden addiert, um darüber ein Gesamtranking zu ermitteln.

Aktien von Banken, Versicherungen und Energieversorgern bleiben dabei jedoch außen vor. Greenblatt erklärt das so, dass Energieversorger wohl zu sehr staatlich reguliert sind, und bei Banken und Versicherungen diese Rechnung einfach nicht funktioniert.

Es sollen nun jeweils zwanzig bis dreißig Aktien mit Top-Platzierungen auf dieser Liste gekauft und jeweils für ein Jahr gehalten werden. Danach werden sie gegen dann jeweils bestplatzierte Aktien ausgetauscht. Man hat so also mit großer Wahrscheinlichkeit Aktien der rentabelsten Unternehmen günstig eingekauft. Insgesamt soll ein Depot, das aus einem derart gebildeten Aktienkorb besteht, langfristig gesehen Überrenditen erzielen.

Was habe ich daran noch vereinfacht?

Zur Berechnung der Kapitalrendite setze ich einfach das EBIT zur gesamten Bilanzsumme ins Verhältnis anstatt nur zum materiellen Kapitaleinsatz. Ich könnte nun begründen, warum ich das für eine bessere Art der Berechnung halte. Aber ich will ehrlich sein: Ich berechne das vor allem deshalb so, weil die Daten dafür einfacher zu beschaffen sind. Das Ganze heißt ja schließlich nicht umsonst Faulpelz-Formel.

Außerdem mache ich mir nicht die Mühe, Banken, Versicherungen und Energieversorger herauszufiltern und auszuschließen. Zu staatlichen Regulierungen: So etwas wirkt sich in der Regel eher negativ auf ein Unternehmen aus, wodurch die Aktie dann ohnehin nicht auf einem Top-Platz landet. Für Banken und Versicherungen spielt zwar das EBIT keine Rolle, es lässt sich aber irgendwie eine passende Zahl für ein operatives Ergebnis angeben, die Finanzportale tun das jedenfalls. Durch die üblicherweise hohe Fremdkapitalquote haben es solche Unternehmen schwer, ein gutes Gewinnrendite-Ranking zu bekommen. Also werden Banken und Versicherungen es auch selten auf die oberen Plätze im Ranking schaffen. Warum sich also die Mühe machen, so etwas vorher auszusortieren?

Genaues zu meinem Experiment

Als ich das Buch Die Börsenzauberformel von Joel Greenblatt vor ein paar Jahren gelesen hatte, in welchem er übrigens erst im Anhang die eigentliche Strategie erklärt, versuchte ich ein eigenes Backtesting.

Allerdings hatte ich damals nur eine kurze Aktienliste, und ich war nur zu Untersuchungen über drei Jahre in der Lage. Das Ergebnis war bescheiden, es kam keine Outperformance heraus. Aber damit wäre ohnehin keine seriöse Aussage über einen langfristigen Verlauf möglich gewesen.

Inzwischen habe ich nun jedoch Möglichkeiten gefunden, aktuelle Berechnungen des Rankings über eine Liste von mehr als 4.500 Aktien der ganzen Welt durchzuführen. Einen erneuten Backtest habe ich allerdings dazu nicht vorgenommen. Mir stehen einfach nicht die Daten für realistische, weit in die Vergangenheit reichende, Berechnungen zur Verfügung.

Nun teste ich das Ganze seit über einem Jahr in einem wikifolio (Musterdepot „Faulpelz-Formel“ auf wikifolio.com). Seit ein paar Wochen habe ich es öffentlich zugänglich gemacht, so dass jeder, der bei wikifolio registriert ist, alle Einzelheiten dazu sehen kann.

Funktioniert diese Strategie wirklich langfristig?

Keine Ahnung!

Was spricht dafür? Aktien rentabler Unternehmen zu günstigen Preisen zu kaufen, ist an sich eine gute Idee. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Aktie in absehbarer Zeit steigen wird, ist hoch. Dadurch, dass ein Korb von zwanzig bis dreißig Aktien gekauft wird, wird dem Umstand, dass es sich hier eben nur um Wahrscheinlichkeit und nicht um Sicherheit handelt, genüge getan. Es kann durchaus sein, dass das Backtesting von Joel Greenblatt, welches hervorragende Ergebnisse liefert, realistisch ist, denn er als Profi hat sicher Zugang zu Daten in hinreichender Qualität.

Was spricht dagegen? Der Faktor Mensch! Wir reden hier von Überrenditen im Schnitt, also langfristig gesehen. Es können also durchaus zwischendrin mehrere Jahre mit Verlust oder Unterrendite vorkommen. Hält das der Anleger aus, ohne am System zu zweifeln und panisch auszusteigen? Ich würde behaupten: In den meisten Fällen nicht.

Fazit

Da ich die Idee trotzdem faszinierend finde, probiere ich sie weiterhin im Musterdepot (wikifolio) aus. Meine Liste mit den Top-Rankings ist für mich ein schönes Nebenprodukt. Möglicherweise findet sich darunter die eine oder andere Aktie, in die es sich langfristig zu investieren lohnt. Dafür sollte man sich dann aber genauer mit dem Unternehmen beschäftigen.

Links

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Link zum wikifolio Faulpelz-Formel